Zum
Greifen nah -
Erika in Brasilien

Die
Ampeln rot. Ein Wagen hält. Die Wandung
übersteigend
glaub ich dich zu sehen.

"Bist
du´s? Lebendig? Traum? Nur Illusion?
Wie
konntest du dem Schattenreich entgehen?"

Schemenhaft
auf offnem Laster,
rattern
wir durch dunkle Nacht.
Auf
der Haut die Glut des Tages,
innen
glimmt die Leidenschaft.

Und
die Straße rattert Samba,
Kugelrasselnd
schnaubt der Wind.
Warm
bläst er durch Haar und Kleider.
Irgendwer
am Wege zur Gitarre singt:

„Bist
du´s? Lebendig? Traum? Nur Illusion?
Wie
konntest du dem Schattenreich entgehen?“

Ich
nehm´ mein Hemd und lass es segeln!
Hör
dich übermütig jauchzen, lachen,
Du
lässt Bluse, Hose flattern, fliegen!
Prustend
werf ich hoch die letzten Sachen.

Eng
und still umschlungen, unter Sternen.
Millionen
über uns zum Greifen nah,
sich
vermehrend in Sekunden,
tauchen
auf, sind plötzlich da.

Und
die allerklarsten der Kristalle
pflück
ich dir vom Firmament,
steck
sie dir als Krone
in die Haare,
wo
wie Feuer jeder einzeln brennt.

Deine
Hände spür ich heiß begehrend.
Doch
- du küsst, wie beim Abschied, mein Gesicht?
„Adeus“?
Der Wagen hält! „Erika!! Wo treffen wir...?“
Doch
eine Antwort aus dem Dunkel gibst du nicht.

Warst
du´s? Lebendig? Traum? Nur Illusion?
Eine
Antwort aus dem Dunkel gibt es nicht.

©Winfried
Kerkhoff
Acre/Brasilien,
6.3.2001, 4 Uhr morgens,
nach
einer Heimfahrt auf einem Laster
unter
dem Sternenhimmel
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